Wer als Abiturient über seinen Werdegang nicht ganz sicher ist, schreibt sich schnell mal für BWL ein, fürs Lehramt oder für "irgendwas mit Medien", wie es oft heißt. Nicht aber für Theologie. Wer sich beruflich mit Gott einlässt, muss eine Berufung spüren. Doch das tun immer weniger junge Menschen. Ohnehin ist die Schar der Christen in Luthers Stammland klein, nur 18 Prozent der Sachsen-Anhalter gehören einer Kirche an. Die Vorbereitungsgruppen zur Konfirmation oder Firmung sind überschaubar, und für viele Teilnehmer reicht es dann auch erst einmal mit Kirche.

Gerade weil die Gruppe der Kandidaten so klein ist, müssen die Kirchen alles dafür tun, Pfarrern den Rücken freizuhalten. In den Großgemeinden soll oft einer leisten, was sich früher auf die Schultern von zwei oder drei Vorgängern verteilte. Nötig ist eine neue Aufgabenverteilung: Die Gläubigen werden mehr gefordert als früher. Überlastung tötet die Begeisterung, ohne die es in diesem Beruf nicht geht.