Guido Westerwelle hat in Stuttgart den großen Topf von gut 60 Jahren Liberalismus in der Bundesrepublik rhetorisch gekonnt durchgerührt. Der FDP-Chef griff Erfolgshappen wie Marktwirtschaft mit Mittelstandssäule, Ostpolitik und Wiedervereinigung heraus, um die Querelen der vergangenen Wochen in der Partei und um seine Person als kleingeistig zu geißeln. Es dürfte ihm gelungen sein, die eigene Position in der Partei zu stärken.

Doch hier sprach auch der deutsche Außenminister. Als solcher beschwor Westerwelle "fröhlichen Patriotismus" in Deutschland, um dann explizit die westeuropäischen Nachbarn als wirtschaftliche Deppen madig zu machen. Gemeint war vor allem Frankreich, bekanntermaßen Deutschlands wichtigster Partner in der EU. Was hat den obersten deutschen Diplomaten nur geritten, Paris ohne Not derart abzumalen? Einzig der Machterhalt? Wie kleingeistig.