Der bayerische Innenminister Joachim Hermann geht davon aus, dass die Taliban regelrechte Tötungsprogramme für Hilfskräfte der Deutschen in Afghanistan haben. Wie reagiert das Bundesinnenministerium darauf? Unlängst hat es die Kriterien für einen erfolgreichen Asylantrag von "unmittelbar bedroht" auf "latent bedroht" erweitert. Das Ministerium hat das als "Entbürokratisierung" gepriesen. Bei Noorullah Z. hat ein Säureanschlag gereicht, um ausreisen zu dürfen. Ansonsten hätte man ihn und seine Kinder in eine unsichere Zukunft entlassen.

Seine Kollegen in Afghanistan füllen derweil Formblätter aus, um nachzuweisen, dass sie in einem Land, das bald wieder in die Hände der Taliban fällt, "latent bedroht" sind. Da entscheiden Bürokraten nach Art deutscher Mülltrenner über Leben und Tod. Und wenn der erste deutsche Helfer hingerichtet wird, werden sie auf seine Akte verweisen und nichts finden, was auf "latent bedroht" hinweist. Es ist ein Skandal.