Das Völkermord-Verfahren gegen Serbien in Den Haag rührt einmal mehr an Wunden, die auch in 20 Jahren nicht verheilt sind. Die damals von Serben und Kroaten verübten Verbrechen sind eine schwere Hypothek für die Nachbarn. Das hat sich kürzlich im kroatischen Vukovar gezeigt, als die durch die Mehrheitsverhältnisse zulässige Beschriftung mit serbischen Straßenschildern zu Aufruhr unter den Kroaten führte. Gerade in Vukovar, dem Symbol für die Grausamkeiten des Jugoslawien-Krieges schlechthin.

Selbst wenn nun Kroatien vor dem UN-Tribunal die geforderte Entschädigung durch Serbien durchkämpfen sollte, bleibt die Hoffnung, dass es nicht zu einer erneuten Vergiftung des Klimas zwischen beiden Ländern kommt. Das EU-Mitgliedsland Kroatien und den EU-Aspiranten Serbien haben heute gleiche Interessen: Prosperität im geeinten Europa zu erreichen. Trotz drückender Lasten der Vergangenheit muss der Blick daher nach vorn gehen.