Israel droht die Zerreißprobe - strenggläubige und liberale Juden streiten über die Einführung der Wehrpflicht für Religionsschüler. Dabei ist dieser Schritt längst überfällig. Wenn mittlerweile bis zu 60000 junge Israelis die im Einzelfall sinnvolle Ausnahmeregelung unterwandern, ist das kein Zeichen für eine neugewonnene Frömmigkeit, sondern für einen Fehler im System. Die gemäßigten Juden kritisieren zu Recht, dass die ultraorthodoxe Minderheit finanziell am Staatstropf hängt und sich um den Dienst fürs Vaterland drückt - aber gleichzeitig immer wieder mit palästinenserfeindlichen Parolen Öl ins Feuer gießt, wenn es um den Frieden im Nahen Osten geht.

Die religiöse Tradition der Juden in allen Ehren: Es darf nicht sein, dass sich in Israel eine strengreligiöse Parallelgemeinschaft verfestigt. Der von Gegnern umgebene Staat hätte einen Feind im Innern, der ihn lähmen und womöglich zu Fall bringen könnte. Frieden im Nahen Osten wird es nur geben, wenn die Israelis vereint den Ausgleich mit ihren Nachbarn suchen.