Es gibt keinen ausreichenden Grund für einen riskanten Wirtschafts-Krimkrieg. Sind machtpolitische Verschiebungen zu befürchten? Nein. Russland hat schon bisher die Krim kontrolliert. Handelt es sich um eine Annektion gegen den Willen der Bevölkerung? Nein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich auch ohne die krude russische Propaganda die Mehrheit auf der Krim für den Anschluss entscheiden würde. Deshalb hat Kiew solche Abstimmungen in der Vergangenheit verboten. Überdies würde der Anschluss der Bevölkerung zunächst mehr nützen als ein Verbleib in der bankrotten Ukraine.

Bei allem Unbehagen (vor allem in Washington) über einen Wladimir Putin, der von einem außenpolitischen Erfolg zum anderen eilt: Ein Wirtschafts-Krimkrieg nützt niemandem. Sicher nicht der krisengeschüttelten EU, die Milliarden für die Ukraine bereitstellen will. Sicher nicht den Krimbewohnern. Und selbst die Ukraine wäre gut beraten, ein Referendum anzuerkennen und dafür Gas und offene Grenzen einzuhandeln. Es wäre besser gewesen, dies schon vor dem Sturz des ukrainischen Präsidenten zu tun. So geht Diplomatie.

Aber es scheint in der deutschen und in der europä- ischen Außenpolitik die Fähigkeit verloren gegangen zu sein, Entwicklungen vorauszuschauen und Strategien zu entwickeln.