Die Wahl von Kardinal Marx zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz wird neuen Schwung in die skandalerschütterte katholische Kirche bringen. Der 60-Jährige ist ein kommunikationsfreudiger Mann mit Führungsqualitäten. Er gilt als zupackend und volksnah. Als konservativ, ja, aber offen für neue Wege. Und er hat als einer der wichtigsten Mitarbeiter von Papst Franziskus den direkten Draht nach Rom. Es spricht also einiges dafür, dass die deutschen Bischöfe eine gute Wahl getroffen haben.

Die katholische Kirche taumelt durch eine tiefe Krise. Der Münchner Erzbischof muss Vertrauen zurückgewinnen, den anhaltenden Mitgliederschwund stoppen, Kirchenfinanzen transparenter machen, die Kluft zwischen offizieller Lehrmeinung und der Lebenswirklichkeit der Gläubigen verkleinern. Es ist dem machtbewussten Marx zuzutrauen, dass er bei dieser Herkulesaufgabe vorankommt. Er wird ganz sicher noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.