Gefühlte 25 Prozent der Berichterstattung über China in Deutschland gelten Ai Weiwei, der "Dissident" zu einer Marke gemacht hat. So gekonnt wie er orchestriert keiner Medien, Menschenrechtler und die Marketender des Kunstmarkts zu einer Werbemelodie in eigener Sache. Weder als Dissident - verglichen mit wahrhaft Verfolgten in aller Welt und in China - noch als Künstler verdient er diese Aufmerksamkeit. Und niemand würde nach den Vermögensverhältnissen des Ex-New-Yorkers fragen, der nach China ging und unter dem Label "Dissident" Multimillionär wurde. Alles, was man weiß, weiß man von ihm.

Könnte er gar tatsächlich Steuern hinterzogen haben? Es liefen bizarre Spendenaktionen für einen, dem man 420.000 Euro für einen Sack mit Porzellan-Sonnenblumenkernen zahlt. Das mediengemachte Kunstobjekt Ai Weiwei verstellt den Blick auf die wahrhaft Verfolgten in China, aber auch auf die echten Fortschritte, die das widersprüchliche Land gemacht hat.