Die nüchternsten Analysen zur Ukraine-Krise liefern die Altkanzler. Helmut Schmidt und Gerhard Schröder wirken wie Erwachsene unter Kindern, die sich beim einfachen Gut-Böse-Spiel nicht stören lassen wollen. Realpolitik, die die Interessen anderer Staaten und Kulturen und die eigenen ernst nimmt, findet seit langem nicht mehr statt. Das Ausland wird deutschen Provinzpolitikern zur Kulisse, vor der man nach Hause gewandt, die eigenen Standards einfordert. Die Europäer reden nur noch mit sich selbst.

Wer wie Gerhard Schröder einen Wladimir Putin im weiteren Maßstab als einen Präsidenten sieht, der einer vordemokratischen, recht brutalen Gesellschaft Stabilität verliehen hat, wird Außenseiter. Wer sich wie Siemens-Chef Joe Kaeser oder Schröder nicht durch seine kalte Interessenpolitik von Besuchen abhalten lässt, wird kritisiert, als handele es sich um eine Visite beim Kriegsgegner. Es gab Zeiten, da hätten Außenminister solche Kontakte für Diplomatie hinter den Kulissen genutzt.