Die eigentümliche Offensive der ukrainischen Armee spielt den Separatisten und Russland in die Hände. Kiew hat keine Kontrolle mehr über die Gebiete im äußersten Osten des Landes und ist auch kaum in der Lage, diese zurückzuerobern. Und die OSZE-Geiseln werden als Faustpfand für die Milizen noch wichtiger.

Nach der Krim droht der Ukra- ine ein weiterer Gebietsverlust. Ein russischer Einmarsch wäre nicht einmal zwingend. Wenn die prorussischen Kräfte in Lugansk und Donezk nur weiter Fakten schaffen, könnte das in der Republik Moldau mit Transnistrien und in Georgien mit Abchasien und Nordossetien erprobte Abtrünnigen-Modell greifen. Das geht so: Zuerst wird die Region durch echten oder vermeintlichen Volkszorn destabilisiert und dem Zugriff der Zentralregierung entzogen. Die entstandene Patt-Situation zementiert dann das Eingreifen russischer "Friedenstruppen". Letztlich wird das Land auf Dauer gespalten. Dieses Schicksal steht der Ukraine bevor.