Der Druck auf Yingluck Shinawatra war am Ende offenbar zu groß. Formell war es zwar nun das Verfassungsgericht, das Thailands Regierungschefin stürzte, doch die Gründe für ihren Machtverzicht dürften tiefer liegen. Der Unternehmerin ist es zuletzt nicht gelungen, die tiefe Spaltung der Gesellschaft zu verringern, den Konflikt zwischen den Reichen in Bangkok und den Armen auf dem Land zu entschärfen. Andernfalls hätte das Regierungslager nicht akzeptiert, dass ein Gericht, dessen Unabhängigkeit angezweifelt werden darf, die Regierungschefin absetzt.

Die Amtsenthebung birgt nun Chancen und Risiken zugleich: Gelingt es dem Regierungslager, einen ausgleichend wirkenden Kandidaten bis zur Neuwahl im Juli zu finden, könnte Thailand aus der Krise herauskommen. Wenn jedoch vorher die Opposition die Macht ergreift, steht zu befürchten, dass es zu keiner Wahl kommt. Denn die Opposition weiß, dass sie bei einer Wahl unterliegen würde.