Immer deutlicher wird die Rolle Tunesiens als Revolutions-Labor für ganz Arabien. Zuerst Tunis, dann gestern Kairo und Sanaa, morgen vielleicht Tripolis, Damaskus und Rabat? Der befürchtete Flächenbrand ist längst angefacht und mit üblicher Staatsgewalt nicht mehr auszutreten.

So verständlich die Sehnsucht von Ägyptern, Marokkanern oder Syrern nach Freiheit und sozialem Fortschritt ist, so gefährlich ist die Entwicklung für die Region insgesamt. Wenn Präsidenten und Regierungen nach dem Dominoprinzip fallen sollten, stünde das mühsam aufrecht erhaltene Stabilitätsgefüge zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn in Frage. Ähnliche Verwerfungen waren oft genug Auslöser von Kriegen. Zudem gingen den Europäern, bisher nur fassungslose Beobachter, treue Partner beim Abblocken von Terroristen und Flüchtlingsströmen verloren. In Paris oder Berlin scheint man völlig überrascht davon, dass die stets geforderte Demokratie womöglich da und dort eintreten könnte.(Politik)