Sobald eine größere Schar Christenmenschen zusammenkommt, darf die ritualisierte Debatte um die Ökumene nicht fehlen. Die jüngste Aufführung bietet der Regensburger Katholikentag. Joachim Gauck, evangelischer Pfarrer a.D. und Bundespräsident, übernahm die Rolle des Mahners, er forderte die Annäherung zwischen den Konfessionen. Kardinal Karl Lehmann warnte daraufhin prompt vor "Übereifer" und einer Theologie ohne Tiefgang. Alles wie gehabt also: Die Oberen der katholischen Kirche fürchten um ihre Dogmen.

Merkwürdig nur: Die vielen Veranstaltungen der Basis sprechen eine ganz andere Sprache. Die Projekte zum Klimaschutz, für Flüchtlinge oder die Dritte Welt, die Meditationen und gemeinsamen Gebete unterscheiden sich kaum von denen der Glaubensgeschwister. Nächstenliebe gibt es eben nicht katholisch oder evangelisch. Wer sich in diesem Sinn engagiert, tut das als Christ - und Taten zählen tausendmal mehr als Worte.