Nur einer könnte die Debatte um den EU-Chefposten abrupt entschärfen: Kandidat Jean-Claude Juncker persönlich. Indem er wie 1918 der sächsische König Friedrich August III. ("Macht doch euren Dreck allein!") seine Ansprüche einfach abmeldete. Das jedoch wäre ein schwerer Schlag für Bundeskanzlerin Angela Merkel und würde den britischen Premier David Cameron in den EU-Adel erheben.

Die Personalie Juncker steht für den Machtkampf in der Gemeinschaft: Cameron und Sympathisanten stehen für eine wirtschaftsorientierte EU, in der die Integration ganz weit hinten kommt. Merkel und die Mehrheit der EU-Staatenlenker wollen hingegen keine bessere Freihandelszone, sondern eine Union, die auf allen Gebieten zusammenwächst. Cameron wagt die Kraftprobe dennoch - bei Strafe des eigenen politischen Untergangs. Merkel will die Briten nicht an die USA verlieren und zeigt bislang Konzillianz. Der Grat zur Erpressbarkeit ist jedoch schmal.