Die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isis) marschiert auf Bagdad zu. Dass sich die irakischen Streitkräfte gemeinsam mit Stammeskämpfern inzwischen den Dschihadisten entgegenstellen, hat deren Entschlossenheit augenscheinlich nicht beeinträchtigt.

Die Offensive der Terroristen kommt nicht so ganz überraschend. Sie resultiert nicht zuletzt aus den Fehlern und Versäumnissen der Politik im Irak, einschließlich der Irak-Politik der USA nach dem Sturz von Diktator Saddam Hussein. Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat das Auseinanderdriften des Zweistromlandes in schiitische, sunnitische und kurdische Einflussbereiche billigend in Kauf genommen, statt durch einen Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen die Einheit des Landes zu stärken und seine Entwicklung in Sicherheit zu fördern.

Der Vormarsch der sunnitischen Terroristen kann nicht als innerirakische Angelegenheit abgetan werden. Er berührt die ohnehin instabile Region im Ganzen, Gewalt und Chaos drohen grenzenlos zu werden. Das Schlimmste aber ist die Sprach- und Ratlosigkeit, mit der die Welt gerade auf den Irak blickt.