Das Resümee über den WM-Auftaktsieg der deutschen Kicker müssen wir fairerweise mit Verlierer Portugal beginnen: Uns ist erstens ein Tor von Cristiano Ronaldo erspart geblieben und damit zweitens auch der Anblick seines nackten athletischen Oberkörpers mit den viel zu dünnen Armen beim anschließenden Jubel - so viel zu dieser Leistung. Dafür haben wir die volle Droge schöner Leichtigkeit erhalten von deutschen Spielern, deren Auftritt selbst nach ästhetischen Gesichtspunkten eine Errungenschaft war. Der Fan zwischen Aachen und Zugspitze darf deshalb stolz sein auf etwas, was zuvor gerne bezweifelt wurde: ein völlig intaktes DFB-Team.

Schade nur, dass nun besonders vom großen Müssen und nicht vom freudigen Können gesprochen wird, dass Deutschland also tatsächlich in der Pflicht ist, Weltmeister zu werden - so steht es ja seit langem in den Lamentierbüchern gewisser Experten. Aber das ist schon deshalb falsch, weil nicht jeder Tag der 16. Juni 2014 ist und nicht jeder Gegner Portugal heißt. Der Einzige, der in der Pflicht ist, ist der Fan: Er muss sich auf das nächste Spiel am 21. Juni gegen Ghana freuen. Das hat sich die Löw-Elf verdient.