Man höre und staune: In Deutschland gibt es mehr als 43 000 Islamisten. Das sagt der Verfassungsschutz. Da möchte man glatt in Deckung gehen, angesichts des Terrors, den Dschihadisten-Milizen vom Schlage der Isis im Irak verbreiten.

Deutsche Islam-Experten finden allerdings, mit solchen Zahlen werde das Extremismuspotenzial aufgeblasen und eine postislamistische Wende beispielsweise in der Islamistischen Gemeinschaft Milli Görüs nicht genügend zur Kenntnis genommen. Diese Gemeinschaft von 31000 Muslimen sei in Deutschland nie durch Gewalt aufgefallen. Auch deshalb wird sie in Hamburg und Bremen nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet.

Dass das Bundesamt diese Gemeinschaft wieder unter "potenziell extremistisch" ablegt, verschließt Türen zur Integration. Zudem schärfen aufgeblasene Zahlen kaum den Blick auf gewalttätige Extremisten - auch nicht auf jene 320 deutsche Islamisten, die in den Dschihad nach Syrien gezogen sind.