Genannt – verbrannt!", lautet eine Politikweisheit. Wessen Name in der Diskussion um Posten frühzeitig fällt, dessen Chancen auf das Amt sinken.

Umso erstaunlicher, dass SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn den Kirchenmann Jens Dorgerloh zwei Monate vor der Wahl zum nächsten Kultusminister ausrufen möchte. Ein Versehen? Gewiss nicht; dafür ist Bullerjahn viel zu erfahren.

Das Kalkül offenbart sich auf den zweiten Blick: Bullerjahn weiß, dass er mit der CDU eine flächendeckende SPD-Gemeinschaftsschule nicht durchsetzen kann. Von diesem Defizit könnte die SPD ablenken, wenn sie den Bildungsminister bestimmt und mit ihm den bildungspolitischen Alltag. Getreu dem Motto "Wenn uns schon der Inhalt nicht passt, kleben wir wenigstens unser Etikett drauf. Vielleicht bemerkt niemand den Unterschied." Ehrlich wäre es, anstatt so zu tricksen, auf das Ministerium zu verzichten.