Mit einigen Bauchschmerzen haben die europäischen Staats- und Regierungschefs Jean-Claude Juncker als Chef der EU-Kommission bestellt. Von der quälenden Personaldebatte im Vorfeld werden Blessuren bleiben. Vor allem bei den Briten. Deren Premier David Cameron steht bei den Landsleuten als blamiert da. Sein vehementer Einspruch hat nichts bewirkt, die Debatte um die EU-Zukunft Großbritanniens wird sich verschärfen.

Als Punktsieger darf sich hingegen das EU-Parlament fühlen. Es ist gekommen, wie es die Parteien im Wahlkampf des Frühjahrs versprochen haben: Der Wahlsieger bekommt den Job. Wenn der Zweitplazierte Martin Schulz inzwischen wie geplant mit dem Chefposten der europäischen Volksvertretung abgefunden wird, entsteht eine neue Achse zwischen Kommision und Parlament. Juncker und Schulz sind sich trotz unterschiedlicher politischer Farbe näher, als es sich Merkel und Cameron je sein werden.