Kanzlerin Angela Merkel trat beim jüngsten Washington-Besuch mit Präsident Barack Obama reichlich verkniffen vor die Presse. Obama hatte sie beim Thema Spionageverzicht abblitzen lassen. Zuvor war auch Innenminister Thomas de Maizière, der zu Hause gern den Sheriff raushängen lässt, in derselben Sache wie ein Schuljunge behandelt worden. Die mutmaßliche Ausspähung des NSA-Ausschusses durch einen BND-Mittelsmann des amerikanischen Dienstes setzt dem Ganzen die Krone auf. In Sicherheitsfragen, das dürfte nun auch dem Letzten klar geworden sein, behandeln die USA ihre Freunde wie einst die Sowjetunion ihre Vasallenstaaten. Der deutsche Geheimdienst muss den Amerikanern stets zu Diensten sein, umgekehrt fällt sofort die Klappe.

Merkel und Obama telefonieren oft miteinander. Sie sollten dabei einmal die Ukraine-Krise nach hinten stellen und sich den Bruchlinien im deutsch-amerikanischen Verhältnis widmen. Denn die werden immer breiter und tiefer.