Verkehrte Welt, könnte man meinen. In Berlin werben Bäcker um Lehrlinge mit dem Versprechen, das Backen von Baguette in Bordeaux am Atlantik lernen zu dürfen. In Magdeburg nimmt die Stadt bei "Baywatch" Anleihen, um Schwimmmeister-Nachwuchs zu ködern. Die Machtverhältnisse haben sich umgekehrt. Nicht die Schulabsolventen müssen Klinken putzen, sondern Firmen und Verwaltungen preisen selbst Traumjobs von früher an wie saures Bier.

Für die jungen Mädchen und Jungen bedeutet das: Auf der einen Seite haben sie Glück, zufällig genau zum richtigen Zeitpunkt ihre Berufswahl treffen zu dürfen. Geburtenschwache Jahrgänge treffen auf eine florierende Wirtschaft. Auf der anderen Seite haben sie aber auch mehr Verantwortung zu übernehmen für ihr zukünftiges Leben. Denn mehr Auswahl an Möglichkeiten sollte zur Folge haben, sich besser zu informieren. Muss es wirklich Kfz-Mechaniker und Friseurin sein? Zwei schön Berufe - von vielen.