Reiseveranstalter versichern: Kommt es noch schlimmer, bringen wir alle Urlauber sicher aus Ägypten nach Hause. Indessen verschärfte das Auswärtige Amt seine Reisewarnung für eines der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen. So mancher, der in Ägypten schon mal einen sehr schönen Urlaub hatte, reibt sich jetzt verwundert die Augen.

Auch wenn die beliebten Urlaubsregionen bisher von Protest, Plünderung und Chaos verschont geblieben sein mögen, dürfte sich mancher Urlauber dort so fühlen, als erwache er gerade aus einer Parallelwelt. Wer sich bisher nämlich lediglich in Hurghada oder in Scharm el Scheich am Strand oder am Pool räkelte und anschließend von Ägypten schwärmte, hatte von dem Land am Nil im Grunde keine Ahnung und im Urlaub nichts dazugelernt.

Und wer auf einem Kreuzfahrtschiff den Nil hochschipperte, erlebte die Schönheit des Flusses und die Größe der reichen Kulturgüter oft genug unter dem Schutz der Kanone an Bord und der vielen Polizisten an Land. Derart abgeschirmt konnte man sehr rasch ausblenden, dass dieses bedeutende, mit eisenharter Hand regierte arabische Land auch ein Land schreiender sozialer Ungerechtigkeit und Chancenlosigkeit ist. Die meisten Urlauber bewohnten in Ägypten lediglich eine Exklave – fern vom fremden brausenden Leben.

Allerdings befindet sich der Urlauber in seiner Ahnungs- und Ratlosigkeit in bester Gesellschaft. Experten, Diplomaten, Journalisten sind überrascht. Sie verfassen Analysen, schreiben Berichte und Kommentare – wie immer. Aber keiner von ihnen kann sagen, wohin die Reise in Ägypten geht. Rettet sich das Regime über die Runden, gibt es ein paar Reformen oder reißen die bärtigen Fundamentalisten die Macht an sich?

Und die von den Ägyptern überraschten westlichen Politiker? Sie haben lange hingenommen, dass Präsident Husni Mubarak, der Verbündete, unter Meinungsfreiheit und Menschenrechten etwas anderes versteht als der Westen. Und wenn sie jetzt, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, Menschenrechte und Meinungsfreiheit einfordern, ist das wie das Erwachen aus einer Parallelwelt. (Politik)