Das Führen eines Wirtschaftsunternehmens erfordert ein anderes Kaliber als das Führen einer politischen Partei. In der Wirtschaft strafen die Anleger, die Märkte und die Mitbewerber unternehmerische Fehlentscheidungen sofort und gnadenlos ab. In der Politik passiert das durch den Wähler nur alle vier bis fünf Jahre.

Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch gehörte zu den erfahrensten Spitzenpolitikern des Landes. Als Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger hat ihm diese Erfahrungen nicht genutzt. Koch musste sich nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb weniger Wochen eingestehen, dass er die Situation offensichtlich falsch eingeschätzt hatte.

Viel zu oft zeigten Spitzenpolitiker in letzter Zeit, dass sie an großen Wirtschaftsprojekten scheitern. In Hamburg wurden Millionen beim Bau der Elbphilharmonie verbrannt, in Berlin beim Hauptstadtflughafen BER sogar Milliarden. Die Bürgermeister der beiden Stadtstaaten regieren noch immer. Warum eigentlich?