Nun also doch. US-Präsident Barack Obama hat Luftangriffe gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" angeordnet. Etwas anderes blieb ihm - als Erbe George W. Bushs - jetzt auch nicht mehr übrig. Nicht nur, dass die Islamisten im Osten Syriens und Norden des Irak strategische Gewinne erzielen konnten und inzwischen auch Erbil, die Hauptstadt des autonomen Kurdengebietes und Sitz eines gemeinsamen Einsatzzentrums von US-Militärberatern und irakischer Armee, ins Visier genommen haben. Sie gehen zudem mit äußerster Brutalität gegen Andersgläubige vor. Auch vor Schiiten und moderaten Sunniten machen sie nicht halt.

Der Vormarsch der Islamisten geht einher - wie nicht anders zu erwarten - mit einer weiteren humanitären Katastrophe in der Region. Obamas Befehl, Care-Pakete für die leidende Bevölkerung abzuwerfen, zielt in die richtige Richtung, dürfte aber eher ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Immerhin sind inzwischen Hunderttausende auf der Flucht vor dem "Islamischen Staat". Um der Bevölkerung des Irak wirkungsvoll zu helfen, bedarf es großer gemeinsamer Anstrengungen der Staatengemeinschaft.

Diese müssen in erster Linie jedoch intensive Bemühungen zur Lösung der politischen Krise im Irak beinhalten. Dabei dürften die "gezielten Luftangriffe", wie sie Obama jetzt befohlen hat, eher Teil des Problems und nicht der Lösung sein. Der Schlüssel zu dieser liegt in Bagdad. Von dort, aus dem Parlament, muss das klare Signal zur Verteidigung der Einheit und territorialen Integrität des Irak kommen. Vorerst aber wird - machtpoltiische Interessen und regionale Querverbindungen im Blick - weiter gestritten, wer künftig die Regierung führen soll. Dabei täte Eile not.