Eines vorweg: Mit blanker Not, mit hungernden und frierenden Menschen in abgewetzter Kleidung hat es überhaupt nichts zu tun, wenn Wirtschafts- oder Sozialwissenschaftler von Armut reden. Die Armut, die sie berechnen, ist relativ. Es geht immer um den Vergleich mit anderen. In dieser Logik gäbe es selbst dann noch Arme, wenn vom nächsten Monat an jeder Deutsche 2000 Euro mehr bekäme.

Akzeptiert man diese Grundannahme, bieten die Berechnungen der Kölner Wirtschaftsforscher durchaus Interessantes. Ihre Prämisse ist richtig: Will man berechnen, wer arm dran ist, darf man nicht das Einkommen allein betrachten. Liegen Mieten oder Immobilienpreise deutlich niedriger als anderswo, lässt es sich auch mit geringerem Gehalt leben. Und dann sieht die Deutschland-Grafik plötzlich ganz anders aus. Die dunkelgrünen Flecken auf der Landkarte sind keine Inseln des Reichtums. Aber sie markieren Gegenden, in denen man gut leben kann. Egal, in welchem Bundesland.