Es sind nicht die treuen Kirchgänger, die zum Zweck der Steuervermeidung der Kirche den Rücken kehren. Eher sind es diejenigen, die einmal im Jahr, am Heiligabend, den Weg in die Kirche finden, weil es dort so schön feierlich ist. Viele sind aus dem Berufsleben bereits ausgeschieden und haben deshalb seit Jahren keine Kirchensteuer mehr gezahlt.

Die Neuregelung bei der Kapitalertragssteuer erinnert nun daran, dass auch auf große Zinserträge Kirchensteuern fällig werden. Es waren die Kirchen selbst, die den automatischen Bankeinzug wollten. Durch den aktuellen Exodus sieht es aus, als hätten sie ein Eigentor geschossen. Das kann allerdings täuschen. Auf lange Sicht könnte der Bankeinzug die Einnahmen der Kirchen stabilisieren, weil die Zahl der berufstätigen Mitglieder sinkt, die Bedeutung von Kapitalerträgen aber steigt.

Eines zeigen die vielen Abschiede gnadenlos: Die innerliche Bindung vieler Noch-Mitglieder an die Kirche ist äußerst gering.