Hält die vereinbarte Waffenruhe, ist im Ukraine-Konflikt wieder die Diplomatie am Drücker. Zwischenstaatlich werden sich Kiew und Moskau weiter zäh um den Frieden ringen müssen, mit den Separatisten am Tisch. Das wird dauern. Man braucht viel Phantasie, sich eine gütliche Einigung über die Zukunft der Ostukraine vorzustellen.

Der Westen und Russland werden sich vorläufig begegnen wie in der Zeit vor dem Helsinki-Abkommen 1975 - mit Misstrauen und Drohgebärden. Schon hat die Nato beschlossen, ihre Ostflanke deutlich zu stärken, um russischen Großmachtgelüsten etwas entgegenzusetzen. Moskau ist jedoch vorläufiger Gewinner des Krieges und hat die ukrainische Führung da, wo es sie haben will: geschwächt durch den Gebietsraub und mühsam den Staat zusammenhaltend. Angesichts der sanktionsbedingten miesen Wirtschaftslage im eigenen Land ist aber die Frage, wie lange der Kreml die patriotische Stimmung noch hochhalten kann.