Einen nachhaltigen Schock haben die katholischen Bischöfe zu Beginn des Jahres erlebt. Sie hatten schon geahnt, dass es die Gläubigen mit der kirchlichen Lehre zu Sexualfragen nicht allzu genau nehmen. Eine Umfrage zeigte dann, dass alles noch viel schlimmer ist: Die Basis hadert gar nicht mit den Vorgaben zu Verhütung oder Homosexualität. Sie ignoriert sie schlicht.

Die Oberhirten haben darauf bis heute keine Antwort gefunden. Auch das Treffen in Magdeburg offenbart nur Gesten winzigsten Entgegenkommens. Ein homosexueller Angestellter müsse keineswegs "automatisch" entlassen werden, sagt Kardinal Marx beispielsweise. Was er als Fortschritt preist, klingt für die meisten Menschen noch immer nach Diskriminierung.

Die deutschen Bischöfe spüren eine neue Offenheit aus Rom. Aber sie wissen nicht, was sie sich trauen dürfen. Eine christliche Tugend könnte ihnen den Weg weisen: die Barmherzigkeit.