Heribert Schwan handelt mit der Veröffentlichung von Zitaten, die Helmut Kohl nicht autorisiert hat, ethisch nicht korrekt. Der Ex-Kanzler und Ex-Vorsitzende befand sich in den Jahren 2001 und 2002 in einer sehr schwierigen Lebensphase. Viele enge politische Mitstreiter, ja Freunde, hatten sich im eigenen Interesse oder im Interesse der Partei - man mag es werten, wie man will - von ihm abgewendet. Der tragische Tod seiner Frau, der Bruch mit seinen Söhnen.

In dieser Situation spricht er über 600 Stunden (!) mit dem von ihm bestellten Autor. Er muss davon ausgehen, dass er die Kontrolle über Veröffentlichungen hat. Es wird auch emotionale Äußerungen gegeben haben. Ihr Erkenntniswert reicht aber nicht, um eine Veröffentlichung zu rechtfertigen.

Das gespannte Verhältnis zwischen Kohl und seinen politischen Erben ist hinlänglich bekannt. Niemand muss wissen, wie genau dies der verdiente Politiker in einer Lebenskrise seinem Lohnschreiber gegenüber zum Ausdruck gebracht hat.