Claus Weselsky sieht sich selbst als Heilsbringer. Nicht nur für die GDL, sondern auch für die gesamte Gewerkschaftsbewegung, deren Organisationsgrad bundesweit zuletzt auf 18 Prozent geschrumpft ist. Der GDL-Chef glaubt, dass er mit seinem harten Kurs gegenüber der Bahn dazu beiträgt, Arbeitnehmer wieder für Gewerkschaften zu begeistern. Seine Botschaft: Eine Mitgliedschaft lohnt sich, wir quetschen den Arbeitgebern das Geld aus der Tasche.

Dass Weselsky das glatte Gegenteil erreichen wird, will er nicht wahrhaben. Wohl auch deshalb nicht, weil es ihm gefällt, im Mittelpunkt zu stehen. "Es ist beeindruckend, Macht zu haben", sagte Weselsky vor kurzem in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Er könnte wohl auch sagen: Die Bahn - das bin ich. Früher oder später wird Weselsky aber noch erkennen müssen, dass Größenwahn zu nichts führt. Je später das geschieht, desto größer wird der Schaden für die deutsche Gewerkschaftsbewegung ausfallen.