Entrüstungsstürme alleine reichen nicht aus, um Claus Weselsky zu stoppen. Der GDL-Chef hat längst entschieden, den Machtkampf mit der Bahn und der Eisenbahngewerkschaft EVG bis zum bitteren Ende auszufechten, er legt einen tarifpolitischen Amoklauf auf Kosten aller hin.

Dass es soweit kommen konnte, hat die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit zu verantworten. Denn ein Gesetz, das Konkurrenzkämpfe zwischen Gewerkschaften in geordnete Bahnen lenkt, hätte längst verabschiedet sein können. Doch bislang haben sich CDU und SPD nicht getraut, sich mit den Gewerkschaften anzulegen und haben stattdessen fadenscheinige Verfassungsbedenken vorgeschoben.

Unabhängig davon, wie der Konflikt bei der Bahn ausgeht, steht die Regierung nun in der Pflicht, endlich zu handeln. Der Grundsatz "ein Betrieb - eine Gewerkschaft" muss her. Bei Arbeitskämpfen muss es wieder um die Interessen der Beschäftigten gehen und nicht um machtgierige, egoistische Gewerkschaftsbosse.