Wann einmal nimmt sich der Bundestag schon mehrere Stunden Zeit für eine reine Orientierungsdebatte? Allein dass das Parlement dies Donnerstag bei der Sterbehilfe tat, zeigt, wie heikel die Materie ist. Von Fraktionszwängen befreit, sollen sich die Abgeordneten selbst ein Urteil über die vorliegenden fünf Initiativen bilden - nach ihren ganz persönlichen ethischen und religiösen Wertvorstellungen.

Dabei wird klar, dass eine Regelung der Sterbehilfe so zwanglos, wie es sich die Gruppe um Renate Künast vorstellt, nicht ausfallen wird. Konsens unter den meisten Parlamentariern ist es, organisierte Sterbehilfevereine in Deutschland weiter zu verbieten.

Doch wenn ein langes Leben nicht zwangsläufig am Ende in ein langes Leiden münden soll, muss es eine Instanz geben, die notfalls den Sterbewunsch erfüllen darf. Am naheliegendsten wäre hier der behandelnde Arzt, der seinen Patienten am besten kennen sollte. Die Formel dafür lautet: ärztlich assistierter Suizid. Doch dieser vernünftige Ansatz stößt wiederum auf Zwänge: die der gültigen ärztlichen Berufsordnungen. Nur wenn sich daran etwas ändert, wäre das geplante Sterbehilfe-Gesetz ein Schritt nach vorn.