Die Zahlen sprechen für sich: 160 Beschuldigte, 74 Ermittlungsverfahren, acht Millionen Euro Schaden - in der Affäre um den Dessauer Filz verdichten sich die Anzeichen, dass hinter der Veruntreuung der Arbeitsmarktfördermittel nicht die kriminelle Energie Einzelner gesteckt hat. Vielmehr scheint der Betrug systematisch und organisiert über die Bühne gegangen zu sein. Mehrere Unternehmer im Land haben offensichtlich die Möglichkeit gesehen, Fördermittel in die eigene Tasche stecken zu können.

Es ist gut, dass in der Dessauer Affäre nun endlich die Hauptverantwortlichen angeklagt werden. Doch auch politische Konsequenzen sind notwendig. Die Landesregierung muss sich fragen lassen, warum es in Sachsen-Anhalt zuletzt immer wieder gelungen ist, öffentliche Gelder zu erschleichen? Jahnhalle Wolmirstedt, IBG, Dessau - in der Summe sind das ganz schön viele Einzeltäter für ein kleines Land. Wer reichlich Fördermittel gewährt, muss besser hinschauen, was mit den Geldern geschieht.