Der türkische Präsident Erdogan meint, was er sagt. Davon sollte man ausgehen und ihn nicht zu einem weltfremden Spinner stempeln. Umso gefährlicher sind seine Worte. Denn er führt einen verbalen Kampf der Kulturen gegen den Westen und dessen Werte. Nicht nur, dass er die Gleichstellung von Frauen als "gegen die Natur" ablehnt. Nun beschuldigt er "die Fremden", sie wollten die Muslime ausbeuten und am liebsten tot sehen. Mit seiner Hassrede hat sich der Sultan vom Bosporus endgültig enttarnt: Die angepeilte EU-Mitgliedschaft ist Rhetorik, sein Herz schlägt im Morgenland. Ziel ist ein islamischer Staat nach osmanischem Vorbild.

Solche Reden haben aber noch einen viel bittereren Beigeschmack. Aus fast allen EU-Ländern kann die IS-Terrormiliz Rekruten für ihre Kämpfe in Nahost gewinnen. Erdogans Hasstiraden gleichen denen mancher Imane. Sie ermuntern eher wackelige Kampfkandidaten zum Kofferpacken, als dass sie sie davon abhalten. Das ist gemeingefährlich und fatal.