Das endgültige Aus für South-Stream ist der bislang schärfste Schnitt zwischen Russland und Europa im Zuge der Ukraine-Krise. Wirtschaftssanktionen können beseitigt werden, eine Erdgasleitung nicht. Die soll nun von Russland in die Türkei gebaut werden.

Der ursprüngliche Plan der russischen Führung war, nach der Nordleitung durch die Ostsee mit einem zweiten Strang die Ukraine auch von Süden her zu umgehen. Für das ärmste EU-Land Bulgarien, wo die Leitung durch das Schwarze Meer ankommen sollte, wäre das eine willkommene Investition gewesen. Nichts da, Brüssel hat das Vorhaben gestoppt, Moskau zieht nun nur die Konsequenzen. Gewinner ist die Türkei, die plötzlich im Mittelpunkt des Ost-West-Gastransits steht. Nach dem kläglichen Ende des EU-Projekts Nabucco wird das Land damit ökonomisch und strategisch enorm aufgewertet. Es muss sich freilich erst erweisen, wie belastbar die Allianz zwischen Türken und Russen ist, wenn das Gas einmal fließen sollte.