Schicksal, Stärke, Feinde - dieses martialische Vokabular zielt auf die Seele des russischen Volkes. Nach aller Erfahrung werden Wladimir Putins Worte ihre gewünschte Wirkung zeitigen. In schweren Zeiten rückt das Volk zusammen und schart sich um den Führer im Kreml - so ist es Tradition seit Zarenzeiten.

Wohlweislich verschwieg der Regent, welche Aktie seine Mannschaft und er selbst an der misslichen Lage des Landes haben. Die Schuld am Krieg in der Ukraine und dem wirtschaftlichen Niedergang wird dem Westen zugeschoben, zuallererst den Amerikanern. Das ist schlechte Tradition seit beinahe 60 Jahren. Ebenso wie das schon zu Sowjetzeiten erfolglose Versprechen, ökonomischen Erfolg notfalls mit harter Hand von Moskau aus herbeizuregieren. Dabei zeigt allein die Steueramnestie für wohlhabende Landsleute im Ausland, dass Russland an die Reserven gehen muss. Dass die Leute nicht aufmucken, ist zwar gleichfalls Tradition, muss aber nicht so bleiben.