Ein Bauwerk wie der jetzt in Angriff genommene "Interozeanische Kanal" in Nicaragua kann mit Fug und Recht als historisch apostrophiert werden. Wie die Vorgänger Suez- und Panamakanal soll die Wasserstraße einen epochalen Fortschritt für die Schifffahrt markieren. Zugleich verkauft Nicaraguas Führung den Durchbruch zwischen Atlantik und Pazifik als wirtschaftlichen Segen für das bettelarme mittelamerikanische Land. Von 200000 neuen Arbeitsplätzen ist die Rede, fünf Prozent des Welthandels sollen einmal über den Kanal laufen.

Das versprechen die chinesischen Geldgeber, die ihn bis 2019 fertig haben wollen. Für Effizienz und Termintreue sind Chinesen bekannt, nicht aber für irgendwelche Rücksichten. Kanalgegner beklagen die drohenden Umweltschäden am Nicaragua-See. Die Menschen im Baugebiet fürchten um ihre Existenz. Es ist noch nicht ausgemacht, was der neue Superkanal wird - Segen oder Fluch für Nicaragua.