Es ist durchaus üblich, dass Arbeitnehmer sich in Firmen und Behörden ein- und wieder ausstempeln, damit ihre Arbeitszeit erfasst wird. Insofern liegt der Verdacht nahe, dass sich manche Unternehmen vor allem deshalb über die Dokumentationspflichten beim Mindestlohn aufregen, weil sie die höheren Lohnkosten gerne über längere Arbeitszeiten der Beschäftigten ausgleichen würden.

Zu Recht pochen daher die Gewerkschaften auf das geltende Gesetz und die Politik wäre gut beraten, es nicht zu verändern. Andernfalls würde sie sich gegen eine Mehrheit in der Gesellschaft stellen, die faire Löhne fordert. Ein Mindestlohn-Gesetz ohne Inhalt käme einer Täuschung gleich und würde weitere Wähler in die Arme von Wutbürger-Bewegungen wie Pegida treiben.

Und dass es so schlimm mit der Bürokratie nicht sein kann, zeigen Branchen wie das Baugewerbe. Hier gelten die Dokumentationspflichten bei Branchenmindestlöhnen schon seit Jahren und die Kontrollen funktionieren.