Der jugoslawische Sezessionskrieg in den 1990er Jahren wurde von allen Seiten mit einer Brutalität geführt, die in Europa nicht mehr für vorstellbar galt. Wer will da richten über den Völkermord-Vorwurf nicht nur gegen Einzelne, sondern ganze Staaten? Der Internationale Gerichtshof jedenfalls nicht. Er wies sowohl die Völkermord-Klage Kroatiens als auch die Gegenklage Serbiens ab. Ein weiser Spruch.

Auch 20 Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton sind die Schrecknisse des Krieges in Ex-Jugoslawien präsent. Es gibt in Serbien wie Kroatien genügend nationalistische Scharfmacher, die bei einem anderslautenden Urteil am liebsten sofort erneut zu den Waffen rufen würden. Doch ein Neuanfang ist längst gemacht, die Beziehungen zwischen Kroaten und Serben haben sich im vergangenen Jahrzehnt weitgehend normalisiert - auch für Serbien ist der Weg in die EU offen. Die gesellschaftliche Aufarbeitung der Kriegsgräuel ist damit längst nicht vorbei.