Die vor einem Jahr blutig erkämpfte Zeitenwende in Kiew wurde erst durch die Krim-Besetzung Russlands gestoppt und versank schließlich im Kriegsschlamm vor Donezk. Der Maidan blieb unvollendet. Mit dem Waffenstillstand, so er stabilisiert wird, kann endlich der Prozess vorangetrieben werden, der aus der Ukraine ein anderes Land machen soll. Ohne die Allmacht der Oligarchen, die Geißel der alltäglichen Korruption, dafür jedoch mit umfassenden Bürgerrechten, wirtschaftlicher Prosperität und sozialer Sicherheit.

Den Ukrainern ist dafür nur ein Kernland geblieben - eine bittere Tatsache. Landschwund und russische Bedrohung können aber nicht als dauerhaftes Alibi dafür herhalten, dass sich nichts bewegt. Zu lange schon herrscht Stillstand. Die gegenwärtige Administration hat viel von Reformen gesprochen. Es ist an der Zeit zu beweisen, dass sie das Land zu einem Beispiel zivilisatorischen Fortschritts an Russlands Grenzen machen kann.