Im Bundestag vollzieht sich bei der Krisenhilfe für Griechenland ein erstaunliches Wechselspiel. Waren es gestern die Unionsparteien, die treu und fest zu den Rettungsversuchen der konservativen Samaras-Regierung standen, haben heute die Linken ihre Liebe für strenge Sparprogramme entdeckt. Nichts anderes bedeutet das Reformpapier der Tsipras-Administration, wenn es denn auch umgesetzt wird. Nur eben nicht mehr unter Troika-Knute, deren Mitglieder zwar weiter als Prüfer fungieren sollen, aber nun freundlich Institutionen genannt werden.

Bei CDU und CSU wächst hingegen die Ablehnung gegen den europäischen Hilfsapparat, der alle paar Monate frisch geölt werden muss. Der Union fällt dabei argumentativ in den Schoß, dass die linke Syriza-Bewegung ausgerechnet einen rechtsextremen Koalitionspartner hat - pfui. Die Linkspartei stört sich daran nur wenig. Der Kopf zählt beim Machtwechsel in Athen, nicht der Schwanz. Denn den könnte man bei nächstbester Gelegenheit abschneiden.