Ein Leitfaden, mit dem Ärzte und Zahnmediziner Spuren von Missbrauch und Misshandlungen bei Kindern besser erkennen, ist zweifellos eine gute Sache. Wenn misshandelte Kinder beim Arzt gelandet sind, ist es aber bereits zu spät. Staatlich verordnete Familienhebammen, Sozialarbeiter und Kinderschutzkräfte in den Kitas reichen offenkundig nicht aus, um die Kinder zu schützen, wie der traurige Blick in die Polizeistatistik und die aktuellen Fälle in Altmark und Harz zeigen.

Die meisten Taten geschehen im Privaten, die Dunkelziffer ist hoch. Deshalb sind wir alle gefragt, aufmerksamer zu sein. Was ist das für nächtliches Geschrei in der Nachbarwohnung? Warum haben wir das Kind von oben schon länger nicht auf dem Hof gesehen? Warum hat der kleine Junge auf dem Spielplatz keine warmen Sachen an?

Sensibel und ohne Vorverurteilung nachzufragen, ist heikel, das Wegschauen allzu leicht. Vielleicht sollten wir es doch öfter tun - im Interesse unserer Kinder.