Mit seinem Vorschlag einer Europa-Armee hat EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker einen Stein ins Wasser geworfen, der Kreise bis ins ferne Japan zieht. Dort weilt Kanzlerin Angela Merkel zum Staatsbesuch und lässt verlautbaren, dass sie der Idee offen gegenüberstehe. Doch mit der Einstufung als Zukunftsprojekt versenkt Merkel die Sache gleich wieder tief in den EU-Schreibtischen.

Der Aufbau einer europäischen Armee wäre zweifellos ein logischer Teil eines Prozesses, der auf die Vereinigung der EU-Länder unter einem staatlichen Dach hinausläuft. Davon ist der Brüsseler Klub aber derzeit weiter entfernt als noch vor der Euro-Einführung. Die Staatenunion ist eher damit beschäftigt, ein Auseinanderbrechen zu verhindern.

Kommando zurück: Wenn Juncker einen Leitgedanken sucht, um den geschwundenen Gemeinschaftsgeist wiederzubeleben, muss er sich anderweitig umsehen. Militärisches sollte gleich ausfallen: Das europäische Dach kann nicht der Stahlhelm sein.