Mit Kerzen in der Hand haben die Demonstranten 1989 die Staatsmacht bezwungen und freie Wahlen erkämpft - das bleibt einmalig in der deutschen Geschichte. Heute, 25 Jahre nach der ersten wirklichen Volkskammer-Wahl, lassen sich aber auch die Fehler von damals deutlicher erkennen. Dass heute nur 41 Prozent der Salzwedeler einen Landrat wählen und nicht einmal 36 Prozent der Magdeburger einen Oberbürgermeister, hat auch Ursachen in der Nachwendezeit.

Viele der stolzen Wähler von 1990 haben ihre neue Freiheit zu wenig genutzt. Viel zu wenige haben sich in Parteien oder Wählergemeinschaften engagiert, für den Stadt- oder Gemeinderat kandidiert. Viel zu wenige haben den mühseligen Weg erlernt, für Überzeugungen zu kämpfen und Kompromisse zu schmieden. Ja, die Demokratie wurde in einem Schicksalsjahr erkämpft. Leben kann sie aber nur, wenn sie stets aufs Neue Mitstreiter findet.