Seit Wochen steht Tröglitz bundesweit in den Schlagzeilen. Der 2700-Einwohner-Ort soll 40 Flüchtlingen ein neues Zuhause bieten. Erst trat der ehrenamtliche Bürgermeister zurück, weil von der NPD gelenkte Demonstrationen seine Familie tyrannisierten. In der vorigen Woche kamen 500 Tröglitzer zusammen - auf dieser Versammlung wurden Zuspruch und Ablehnung gleichermaßen deutlich. Nun stand der Dachstuhl der hergerichteten Herberge in Flammen. Das löste kollektives Entsetzen aus. Was auch sonst!

Dabei kann und darf es jedoch nicht bleiben. "Willkommenskultur" muss mehr als ein Lippenbekenntnis sein. Sie ist nur dann eine, wenn sie vor Ort gelebt wird. Dazu gehört die rechtzeitige Information ebenso wie die Bereitschaft, Vorurteile und Vorbehalte hintenan zu stellen. Dies wird in Tröglitz wohl nach diesem Anschlag gewaltbereiter Straftäter besser gelingen als zuvor.

Doch Tröglitz ist fast überall. Wer Ressentiments gegen Flüchtlinge schürt, hat die Bedeutung des Mauerfalls vor 25 Jahren nicht verstanden. Mehr noch: Wenn wir unsere Zukunft in 25 Jahren gestalten wollen, geht dies nicht ohne Menschen, die bei uns eine Chance suchen - und erhalten müssen.