Vor 50 Jahren hatte der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer den Auschwitz-Prozess initiiert, der als Meilenstein in der Justizgeschichte gilt. Bauer strebte damals die strafrechtliche Aufarbeitung des industriellen Massenmords an, einschließlich der Verurteilung seiner Helfershelfer. Gelungen war ihm dies nur mit Einschränkung. Mittäter, denen keine konkreten Taten bewiesen werden konnten, sprach das Gericht damals frei.

Erst das Urteil im Jahr 2011 gegen den ukrainischen Wachmann des Vernichtungslagers Sobibor, John Demjanjuk, brachte den Paradigmenwechsel: Selbst ein Wachmann ist Teil des Vernichtungssystems und mitschuldig am Massenmord. Das Urteil wurde zwar nie rechtskräftig, offensichtlich hat es zu einem Umdenken in der Justiz geführt. Spät, zu spät. Denn viele Helfershelfer von einst leben nicht mehr. Somit wird der Prozess vor dem Landgericht Lüneburg einer der letzten großen Prozesse gegen Nazi-Mittäter sein.