Noch bevor der Bundestag heute die Armenier-Massaker vor 100 Jhren im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnen wird, hat dies Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Gedenkgottesdienst getan. Das war lange fällig. Ein denkwürdiger Schritt, zumal die Mitverantwortung des damaligen Deutschen Reiches nicht ausgespart blieb. Und mutig angesichts der zu erwartenden Reaktion der Türkei.

Die dortige Sprachregelung lautet, dass sich die Weltkriegsgräuel nicht auf einen Begriff - sprich Völkermord - reduzieren lassen. Dabei belässt es die Regierung in Ankara nicht. Sie hat auf die Völkermord-Erklärung des österreichischen Parlaments hin vergnatzt den Botschafter aus Wien abgezogen - ein Ausdruck höchster Verstimmung. Auch Deutschland wird den türkischen Ärger zu spüren bekommen. An der Bundesregierung, die sich bisher vornehm zurückgehalten hat, ist es, sich bei der Aufarbeitung der Vergangenheit standhaft zu zeigen.