Wir müssen also für alle Zeiten mit der Armut leben. Denn sie würde auch bei immerwährend gleichem Anstieg aller Einkommen nicht abnehmen. Das ist die Logik der Sozialverbände, die Armut in Bezug zum Durchschnittsverdienst setzen. Gut für die Verbände: Ihre Bedeutung würde niemals sinken.

Es wird Zeit, Armut und mangelnde Teilhabe an der Gesellschaft neu zu interpretieren, damit wir wirksame Mittel dagegen finden. Arm blieben früher Menschen, weil sie keine Bildungschance hatten. Heute betrifft es Menschen, die Bildungsangebote nicht annehmen. Der Staat schnürt Teilhabepakete für die Ärmsten. Auch sie werden zu wenig angenommen. Gibt es keinen Bedarf? Vor 20 Jahren gab es keine Jobs. Heute gibt es ein gutes Angebot.

Warum steigen die Kosten für Hartz-IV? Es wird Zeit, dass sich auch Verbände die Frage stellen, warum Angebote nicht angenommen werden, anstatt immer neue zu fordern. Die mangelde Nachfrage ist das größere Problem.