Dass Jens Böhrnsen in Bremen weiter regieren und sich Grüne oder CDU als Partner aussuchen kann, war vor diesem Wahlsonntag so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Aber wer hätte vor Monaten gedacht, dass die FDP im kleinsten Stadtstaat, der nie ihr Revier war, mühelos über die Fünf-Prozent-Hürde springt? Und wer hätte darauf wetten wollen, dass die AfD trotz ihrer zahlreichen internen Querelen und diffusen Strömungen für gut fünf Prozent weiter eine wählbare Alternative darstellt?

Die Botschaft von Bremen - und zuvor Hamburg - ist: Mit beiden Parteien muss man rechnen. Der nächste Wahltag ist am 13. März 2016 in Sachsen-Anhalt. Es wird spannend: Wohin führt der neue FDP-Chef Frank Sitta die Liberalen? Zerfällt bis dahin die AfD oder stabilisiert sie sich. Und in welche Richtung?

Der Erfolg hat noch eine Komponente: Sechs-Parteien-Parlamente dürften zudem Bewegung in die bisweilen starre Koalitions-Arithmetik bringen.