Bremen war seit dem Kriegsende ein sozialdemokratisches Biotop, das aus sich selbst heraus gedieh. Ein SPD-Regierungschef ist im Stadtstaat so selbstverständlich wie ein CSU-Landesvater in Bayern.

Starke Persönlichkeiten wie Hans Koschnick oder Henning Scherf taten ein Übriges. Und nun dieses Wahlergebnis: Die Sozialdemokraten rutschen um fast sechs Prozent ab und können mit den Grünen zusammen nur knapp die Macht behaupten. Da gerät die Bremer SPD-Welt aus den Fugen. So sehr, dass Jens Böhrnsen, mit dem trotz ewiger Regierungszeit außerhalb Bremens kaum jemand etwas anfangen konnte, konsequenterweise zurücktritt.

Das miserable SPD-Ergebnis allein auf die niedrige Wahlbeteiligung zu schieben, greift zu kurz. Warum erlebt die FDP an der Nordsee ein Comeback, überspringt die AfD die Fünf-Prozent-Hürde und legen die Linken deutlich zu? Auch weil die SPD seit Jahren der richtige politische Dünger fehlt, um den Biotop Bremen weiter sprießen zu lassen.